Solnechnaja Dolina/
Солнечная Долина – das Sonnental
Wird eine ruhige Fahrt hierher trotz der Kurven durch die
Krimberge. Frühstück im Grünen. Ich will zurück an die Küste, also Küstenstraße
P29. Lasse Schibetovka/ Щебетовка hinter mir, erst an der Kreuzung Солнечная Долина (Sonnental) biege ich ab, fahre
durch den gleichnamigen Ort bis runter zur Küste- Pribreschnoe/
Прибрежное.
Der kleine Campingplatz vor der Baumreihe am Strand hat sich verbessert, er hat
jetzt eine gute Grasnarbe und ist nicht mehr staubig. Achtung: auf dem
Campingplatz gibt es kein Wasser; das muss man am Strand bei den Buden
schnorren, oder im Ort holen. Außerdem: nur Russenklo, keine Duschen!
Platzkosten pro Nacht für WoMo: 2,00 Euro.
Dafür ist es hier ruhig, guter Strand, kein großer Tourismus.
Aber "gleich um die Ecke" ist der Firmenverkauf der Weinerzeuger Солнечная Долина (Sonnental) und wo kein Felsen
ist, steht hier immer ein Rebstock...
Ich habe hier die zweite Hälfte des Juli erreicht, meistens Sonne
30°- 34°C, manchmal Gewitter, und die können auch heftiger ausfallen.
Zwei junge Familienväter kommen an mein Mobil und fragen in
einer Mischung aus Russisch, Englisch und Deutsch, ob ich ihnen das Mobil
zeigen kann. Sie kommen aus Minsk, Weißrussland und nun gibt es eine längere
Exkursion in Wohnmobiltechnik. Wasserversorgung, Elektrik (Solaranlage),
Toilette (Kassette) und natürlich das Auto selbst, alles wird besprochen. Beim
Preis (neu/gebraucht) dann blankes Entsetzen... Aber da spielt das Wirtschaftsgefälle
EU/ Belarus natürlich eine erhebliche Rolle.
Nachts gab es wieder mal einen Gewitterschauer, aber das kennen
wir ja schon. Man kommt hier schnell mit Urlaubern ins Gespräch, der Ort ist
kleiner, übersichtlicher und ruhiger. Vielleicht 30 Zelte stehen auf dem
kleinen Campingplatz, abends kommt der junge Mann von der "Administration Sudak" zum kassieren- 20 Griwna-
2 Euro.
Lisa, 16 Jahre, aus Minsk, Belarus oder Weißrussland probiert
ihre Englischkenntnisse aus, sie möchte später Psychologie studieren, möglichst
in Deutschland...
Ich bummele natürlich auch mal die
kleine Strandpromenade lang; hier kennen die Ukrainer wenig
Hemmungen, sie fahren hier auch schon mal mit dem Geländewagen lang...
Und Sergej, 15, aus der Oblast Donesk redet erstmal nur Russisch, schnell, ich verstehe
nicht die Hälfte, aber es macht Spaß und seine Eltern lachen sich kaputt.
Später kann er doch Englisch sprechen,,, Natürlich
bade ich, das Wasser ist hier sehr sauber und klar, keine großen Städte in der
Nähe. Ich mache einen Spaziergang zum Firmengeschäft der Weinerzeuger Солнечная Долина (Sonnental). Na ja, mal sehen,
was der Zoll an der Schengengrenze sagt... Im Web: http://www.sunvalley.com.ua/en/about/index.html
Солнечная Долина glüht; 34°C im Schatten, heißer Wind, viel Staub in der
Luft, mir tränen die Augen. Ab ins Meer.
Wolkenfelder ziehen vorbei, es kommt aber kein Regen raus. Das
Wasser im Meer wird immer wärmer und wir haben mit den kleinen Moskitos zu tun,
die voller Angriffslust sind... Irgendwie schaffen sie es sogar durchs Mückengitter...
Trotz der Wärme steigt Sergej mit mir auf einen Hügel gleich neben Прибрежное,
von dem man die ganze Bucht überblicken kann.
Eigentlich brauche ich einen Staubsauger, so staubig ist der
Wagen innen. Es ist bewölkt, aber trotzdem warm. Abends sitze ich bei Sergej
und seinen Eltern aus der Donezk- Oblast/ Донецкая область,
der Ort heißt Druschkowa/ Город
Друшковка,
fast nur russisch, wenig englisch wird gesprochen, Sergej
übersetzt manchmal, wenn wir nicht weiter wissen. Mutter und Vater arbeiten
sich die Hände wund; beide im Bergbau, er unter Tage. Es ist ihr einziger Urlaub...
Auch hier wird deutlich; wer Kontakt zu ukrainischen Menschen haben möchte,
mehr von diesem Land verstehen möchte, kommt um russische Grundkenntnisse nicht
herum. Dann allerdings erfährt man Gastfreundschaft und Höflichkeit- auch der
Kinder- da können wir Deutschen noch einiges lernen...
Sergej und seine Eltern verlassen heute Morgen Солнечная Долина (Sonnental). Jetzt fehlt hier
was... Ich fahre zum Einkaufen und mache "Hausarbeit". Abends
erwischt uns wieder mal ein Gewitter- viel kühler wird es nicht. Selbst
gebastelter Sonnenschutz und Billig- Pavillione
treten mit den Sturmböen Flugreisen an und bevor der Regen einsetzte, flogen
gewaltige Staubwolken übers Tal. Ein paar Fotos habe ich geschafft, habe mich
dann aber nach drinnen verzogen und alle Luken zu gemacht. Der ganze Spuk war
nach knapp 2 Stunden vorbei.
Und diese kleine Geschichte hat sich wirklich so zugetragen:
"Hallo, Guten Tag..." und nicht "Привет,
Дбрый день"
ruft mir Alexandr Tschemodanow
zu, der hier mit seiner Familie (kleine Tochter und Sohn) Urlaub macht. Sie kommen
aus Charkow, er ist Dozent an der Akademie für Kunst und Design, Kunstmaler wie
seine Frau, die am Lizeum der Akademie Kunst
unterrichtet. Auch hier auf der Krim malen sie Bilder; Motive der Krim- ich
kann nicht widerstehen... Alexandr spricht gut
Deutsch- er hat in St. Peterburg, Moskau und Berlin schon Bilder ausgestellt-
und so können wir mehr plaudern als es mein Russisch zulassen würde. Politik
(EU), Bildung eingeschlossen.
Strandtag; gutes Wetter. Der Ort gefällt mir immer besser,
Einkaufen im Ort (Magazin/ Produkty), die Ruhe auf
dem kleinen Campingplatz, der Strand- eine Mischung aus Sand und vom Meer
polierten Steinen. Obst kann man am Strand bei den Bauern der Umgebung kaufen
und mittags gibt es Самса с фарш (Teigtaschen) und Tee bei einem der Strandkioske.
Sturm! Hier ist jeden Tag was los! Diesmal vom Schwarzen Meer
kommend mit riesiger Brandung, Strandliegen, Sonnenschirme (die Großen)
genießen die Freiheit... Ich mache einen Fotospaziergang und spreche danach
lange mit Alexandr und Ludmilla, den Kunstmalern aus
Charkow. Und wer mehr über die Kunstakademie in Charkow wissen möchte- hier ist
der Link: http://www.ksada.org/indexe.html
- teilweise in Englisch.
In einem der Strandlokale hole ich mir abends was zu essen: ein
Riesen- Hot- Dog- es fehlen nur die dänischen Gurkenscheiben- und ein halber
Liter ukrainisches Bier für gerade mal 2 Euro- ich kann mich immer noch nicht
an die Preise gewöhnen... man sitzt am Tisch, bekommt Servietten und das alles
mit Meerblick!
Die ruhigen Tage hier in Солнечная Долина (Sonnental) gehen zu Ende und
damit auch die Zeit am Schwarzen Meer. Es wartet das Asovsche Meer- Schelkino
und Kap Kazantip!
© Roadking66